Kategorie: Allgemein

  • Jede Aussage, die je ein Denker zu Mensch und Gesellschaft getroffen hat, ist gleichzeitig wahr und unwahr.


    Es sei denn, er hat gesagt, auf welcher Ebene sie gilt.

    Das ist eine absichtlich gewagte Behauptung. Sie widerspricht scheinbar einem der ältesten Grundsätze der Logik: Eine Aussage kann nicht gleichzeitig wahr und falsch sein.

    Doch schon bei Aristoteles findet sich die entscheidende Einschränkung. Der Satz vom Widerspruch besagt nicht einfach, dass etwas nicht zugleich zutreffen und nicht zutreffen könne. Entscheidend ist: nicht zur selben Zeit und in derselben Hinsicht.

    Vielleicht steckt in diesen unscheinbaren Worten – „in derselben Hinsicht“ – mehr, als wir gewöhnlich daraus machen. Denn was geschieht, wenn zwei Aussagen gar nicht in derselben Hinsicht, auf derselben Ebene oder innerhalb desselben Gültigkeitsbereiches getroffen werden?

    Dann verschwindet möglicherweise der Widerspruch.

    Was zunächst wie eine erkenntnistheoretische Spielerei aussieht, könnte für die großen Fragen von Mensch und Gesellschaft erhebliche praktische Bedeutung besitzen. Gesellschaftliche Konflikte entstehen schließlich nicht nur zwischen Wahrheit und Irrtum. Sie können auch zwischen Teilwahrheiten entstehen, die für das Ganze gehalten werden.

    Und genau hier setzt die Ebenentrennung an.

    Ebenentrennung

    Über eine einfache Methode zur Synthese widersprüchlicher Wahrheiten über Mensch und Gesellschaft

    Die hier vorgeschlagene Ebenentrennung soll als allgemeine Methode untersucht werden: Können wir gesellschaftliche Gegensätze besser verstehen, wenn wir nicht zuerst fragen, welche Seite falsch liegt, sondern auf welcher Ebene welche Seite recht hat?

    (mehr …)
  • Wozu Gesellschaftswissenschaft?


    Über die Nützlichkeitslücke gesellschaftlicher Erkenntnis

    Die Menschheit verfügt über einen gewaltigen Bestand gesellschaftswissenschaftlichen Wissens. Seit Jahrhunderten untersuchen wir Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Psychologie, Macht, Konflikte und Krieg. Wir kennen die Geschichte vergangener Katastrophen, analysieren ihre Ursachen und entwickeln immer feinere Theorien über menschliches Verhalten und gesellschaftliche Systeme.

    Und trotzdem führen Menschen Krieg.

    Gemessen an einem Paradigma des Friedens stellt sich deshalb eine unbequeme Frage: Wie nützlich ist eine Gesellschaftswissenschaft, die die größte gesellschaftliche Barbarei des Menschen bis heute nicht zuverlässig verhindern kann?

    (mehr …)